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Der
neue Ralf-König-Comic: Stutenkerle
Die
Themen und Stile dieses neuen Comic-Bands von Ralf König aus dem Männerschwarm-Verlag
sind vielseitig, aber unverwechselbar so wie wir den Haus- und-Hof-Karikaturisten
der Schwulen kennen und lieben. Oma ist tot, Pornos für Papa oder Türken,
die sich über Schwule im Tiergarten ereifern so bunt ist Ralf Königs
schwule Alltagswelt. Auch seine Karikaturen zum Streit um die Mohammed-Karikaturen
werden in diesem Sammelband veröffentlicht, in dem Fanatiker aller Religiösen
ihr Fett weg bekommen, obwohl andererseits ihre Schwulenfeindlichkeit ja geradezu
das Verbindende für die Schwulen ist... Ein Junge, der vor seiner Pubertät
mit zum CSD gehen will und den schwulen Feiertag mit seinen eigenen Augen sieht,
fußballbegeisterte Schwule, Sex, der nicht mehr ohne Viagra funktioniert
oder das immer wiederkehrende Thema Weihnachten sind weitere Aufhänger für
Comic-Kurzgeschichten. Und schließlich gehts noch zum Kulturschock
und Hetero-Urlaub nach Papua-Neuguinea. Wenn Ralf König seine Protagonisten
sich wieder nach ein bisschen Diskriminierung wie früher sehnen lässt,
erkennt man den scharfsinnigen Beobachter der Szene (oder den selbst älter
Werdenden?). Und für die im Zeitalter des Cybersex eher haptisch Orientierten
gibts am Ende noch Ralf-König-Figuren als Bastelsatz zum Ausschneiden,
Zusammenkleben, An- und Ausziehen. Viel Vergnügen! Ansgar Drücker |  HIVNachrichten
Nr. 130, Juli 2008 |
| Buchtipp: Queer
Lectures Heft 1 bis 4
Mit
Queer Lectures hat der MännerschwarmVerlag aus Hamburg eine neue
Reihe zur Veröffentlichung von Vorträgen der Initiative Queer Nations
e.V. (www.queer-nations.de) ins Leben gerufen. Das erste Heft umfasst gleich vier
Artikel und erreicht dadurch mit 142 Seiten normale Buchstärke. Alle vier
Artikel sind nicht nur mit einem ausführlichen Literaturverzeichnis, sondern
darüber hinaus mit einem informativen Glossar versehen, das wesentliche Fachbegriffe
aus dem Themenbereich des Vortrags näher erläutert. Damit bieten die
vier-Hefte-in-einem auch für fachfremde LeserInnen einen erleichterten
Zugang, ohne auf die im fachlichen Diskurs üblichen Begriffe zu verzichten.
Der erste Band enthält einen Text von Dagmar Herzog über die Religiöse
Rechte in den USA und ihr Verhältnis zur (Homo-)Sexualität, der einen
guten Überblick über das Verhältnis von Sexualität und Macht
in der Bush-Ära gibt. Ein Artikel von Tatjana Eggeling zum Thema Schwule,
Lesben und Sport erläutert vor allem am Beispiel des Fußballs, aber
auch anhand absurder Bekleidungsvorschriften für Männer und Frauen in
anderen Sportarten oder Beispielen zum Umgang von Sportfunktionären und verbänden
mit dem Thema Homosexualität das nach wie vor unentspannte und unbefreite
Verhältnis zwischen Homosexualität und Leibesübungen. Ein psychoanalytischer
Artikel von Martin Dannecker beschreibt, wie Sigmund Freud schon zu Beginn des
19. Jahrhunderts die Normalität in der Sexualität dekonstruierte und
manche vermeintliche Perversion dadurch bereits früh relativierte. Andreas
Kraß schließlich beschreibt in einem sehr aktuellen Artikel, wie der
Begriff Metrosexualität erstmals verwendet von einem schwulen
Journalisten auf dem Weg durch die Medien vereinnahmt wurde und inzwischen
längst der Bestätigung der Heterosexualität durch Übernahme
(vermeintlich bisher) schwuler Eigenschaften in ihr Selbstbild dient. Diese Umprägung
und die Übernahme schwuler Eigenschaften dient den Heteros, um
bei Frauen (noch) besser anzukommen und trägt so zu einer neuen verstärkten
und modernisierten Heteronormativität bei, so die schlüssige These des
Autors. Ansgar Drücker |  HIVNachrichten
Nr. 130, Juli 2008 |
| | | Heidenspaß
statt Höllenqual
 Ralf
Königs neuer Comic "Der neue Bund" ist nun online zu lesen. Ging
es Ralf König bislang hauptsächlich um den (schwulen) Kampf gegen Homophobie,
so kommt jetzt als zweiter Schwerpunkt die Religionskritik hinzu. Anlass hierfür
war der Karikaturenstreit im letzten Jahr. Daneben gibt es in der "religionsfreien
Zone" die schönsten Bilder unserer Familienministerin Ursula von der
Leyen, zusammengestellt vom Heidenspaß-Kunst-Komitee (HKK) in der Serie
"die heilige Ursel (s. Bild rechts Die doppelte Ursel). Hinzukommt
ein Einblick in die GBS-Art-Collection unter dem Motto "Glaubst Du noch oder
denkst du schon?" Der unterhaltsame Gang durch die Website ist am besten
in der Adventszeit bei Kerzenlicht mit Zimtsternen zu genießen ;-) www.religionsfreiezone.de |  HIVNachrichten
Nr. 123, Dezember 2007 |
| DVD-Tipp: Paragraph
175
Der
Historiker Dr. Klaus Müller, Projektleiter Europa beim U.S. Holocaust Museum,
hat fünf schwule Zeitzeugen und eine lesbische Zeitzeugin interviewt, die
ihre Homosexualität während der Zeit des Nationalsozialismus auf unterschiedliche
Art und Weise ausgelebt haben und zu den wenigen Überlebenden gehören.
Besonders erschütternd ist, dass sie häufig auch nach dem Krieg unter
Verfolgung litten, im Gefängnis saßen oder vergeblich auf eine Rehabilitierung
sei es moralisch oder finanziell warteten. Auch wenn der Film
mit den Bomben des 2. Weltkriegs in Berlin beginnt, verzichtet er auf tragische
und grauenvolle Bilder und lässt die Aussagen der Interviewten für sich
wirken mit ihren romantischen ebenso wie mit ihren tragischen Elementen.
Die Erinnerungen einiger reichen bis ins Berlin der 20er und frühen 30er
Jahre zurück, das sie als Paradies für Schwule beschreiben. Fühlten
sich die Schwulen anfangs noch sicher, wurde der Röhm-Putsch tragischerweise
von den Nationalsozialisten und von ihren Gegnern genutzt, um Schwule zu diskreditieren
und die Verfolgung begann. Einige Jahre später genügten Gerüchte,
Blicke oder flüchtige Berührungen, um (vermeintlich) Schwule ins KZ
zu schicken. Heinz F. kehrte 1945 nach über acht Jahren aus Dachau und
Buchenwald zurück und konnte über Jahrzehnte mit niemandem über
seine Erlebnisse sprechen. Der im Elsass geborene Pierre Seel hatte sich eigentlich
vorgenommen, nie wieder mit einem Deutschen zu sprechen. Er wurde im KZ vergewaltigt
und seine Wut auf die Deutschen ist heute noch sehr lebendig. Der Künstler
Albrecht Becker wählte nach Verhaftungen aufgrund seiner Homosexualität
zur Wehrmacht zu gehen, um der Verfolgung zu entgehen und unter Männern zu
sein. Gad Beck hat im jüdischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus
mitgewirkt erzählt von der Befreiung seines Freundes aus den Händen
der Gestapo, woraufhin er doch zu seiner Familie zurückkehrte, da er sie
nicht allein lassen konnte und wollte, und abtransportiert wurde. Gad Beck berichtet
aber auch mit lebhafter Begeisterung, wie er in der jüdischen Schule unter
der Dusche seinen Sportlehrer angefallen hat und nicht umgekehrt. Heinz
Dörmer wurde nach einem längeren KZ-Aufenthalt auch nach 1945 mehrmals
verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt. Auch sein Freund starb im KZ.
Die Lesbe Annette Eick schließlich wurde zwar nicht verfolgt, dennoch gelang
ihr nur mit Hilfe einer Freundin und als einzigem Mitglieder ihrer jüdischen
Herkunftsfamilie die Flucht nach London. Der Film ist ein bewegendes Dokument
mit einigen der letzten Überlebenden aus einer Zeit, die nicht nur Grauen
und Vernichtung über weite Teile der Welt brachte, sondern auch das Schwulenbild
in Deutschland erschreckend lange beeinflusst hat. Ansgar Drücker
Paragraph
175 USA, Großbritannien, Deutschland 1999, 76 Minuten Regie:
Robert Epstein, Jeffrey Friedman Edition Salzgeber, www.salzgeber.de |  HIVNachrichten
Nr. 123, Dezember 2007 |
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| Computerspiel
als Modell für Ausbreitung von Krankheiten
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Der
Ausbruch einer tödlichen Krankheit in der virtuellen Welt kann Einblicke
über wirkliche Epidemien ermöglichen. Die "Corrupted Blood"-Krankheit
breitete sich rapid im Online-Spiel World of Warcraft aus. In einem unkontrollierten
Ausbruch starben Tausende Spieler einen virtuellen Tod; es kam zu einem sozialem
Chaos. Quarantänemaßnahmen blieben erfolglos.
Laut
Lancet Infectious Diseases lassen sich aus diesem Vorfall entscheidende Erkenntnisse
darüber gewinnen, wie sich Menschen in einer derartigen Krise verhalten. Im
Spiel gab es eine ganze Reihe von Reaktionen der von der Infektion bedrohten Spieler.
Diese Reaktionen wiesen laut BBC Ähnlichkeiten mit jenen bei einer realen
Bedrohung auf. Manche handelten selbstlos, versuchten anderen zu helfen, auch
wenn das bedeutete, dass sich selbst anstecken konnten. Andere flohen aus den
infizierten Städten und versuchten sich selbst zu retten. Manche Infizierte
machten es sich zum Ziel, andere bewusst anzustecken. Nina Fefferman von der Tufts
University School of Medicine erläuterte, dass das menschliche Verhalten
einen großen Einfluss darauf habe, wie sich eine Krankheit ausbreitet. Die
virtuelle Welt sei eine hervorragende Möglichkeit, das menschliche Verhalten
zu studieren. "Die Spieler schienen sich wirklich bedroht zu fühlen.
Sie nahmen das Risiko einer Infektion ernst, auch wenn es sich nur um ein Spiel
handelte." Die Wissenschaftlerin gab zu, dass die virtuelle Umgebung
ein risikoreicheres Verhalten begünstigen könnte. Dieser Umstand könne
jedoch beim Ziehen von Schlussfolgerungen berücksichtigt werden. Bisher seien
Forscher erheblich eingeschränkt gewesen, da sie sich nur auf Beobachtungen
und im Nachhinein erstellte Studien berufen konnten. Im realen Leben wäre
es nicht ethisch eine Krankheit auszulösen, nur um die Auswirkungen zu untersuchen.
Computermodelle unterliegen derartigen Beschränkun-gen nicht. Trotzdem beruhen
sie auf mathematischen Regeln, die eine Einschätzung des Verhaltens ermöglichen.
(wow) www.worldofwarcraft.com
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| HIVNachrichten
Nr. 121, Oktober 2007 | | |
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aktualisiert am:09.07.2008 | |
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